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Lesung: Dolly und Will - Geklonte Shakespeare-Sonette (Audio)

Ton Lesung, 17 min, RealAudio (*.ram)
Lange Zeit waren sie ein Skandal: Shakespeares Liebessonette wenden sich offensichtlich an ein männliches Gegenüber, dem nur spät eine Frau zur Seite gestellt wird, denn nur zwischen zwei Männern funktioniert die Zeugung von Nachkommen bekanntlich nicht. Auf Nachkommenschaft aber zielen die Sonette. Sie phantasieren Hochzeiten, "zeugen, zeugen, generieren" flüstert ihre Obsession. Gesetzt gegen ein scharfes Vergänglichkeitsbewußtsein, sind sie Träume vom Überleben - sowohl im Fleisch als auch in der Schrift, den beiden vorrangigen Mitteln der Selbstreproduktion durch Gedächtnisstiftung.
Nur eines entscheidet: sich und dabei vielleicht auch den Geliebten der Zeitlichkeit entziehen. "Zeit" ist die wahre Dritte im Bunde, die "unheimliche Andere. Ihr setzt Shakespeare die unbedingte und schamlose Lebensenergie seiner Gedichte entgegen: ungeheuer, skandalös und wunderbar. Dieses Skandalon ins heute zu übersetzen, wurde durch Dolly und die Implikationen ihrer creatio auf neuem Weg möglich. In meinen Radikalübersetzungen mutieren Shakespeares Sonette daher in wechselnder Folge zu Reden an einen Klon, Reden des Klons zurück, in Reden von Klonen in einer geklonten Welt.

Ulrike Draesner (Dichterin, Berlin)

Zur Veranstaltung:
Lesung: Dolly und Will – geklonte Shakespeare Sonette



 
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